Eine Schule der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
11. März 2026

Würdiges Gedenken

Einweihung des Mahnmals für die ermordeten Sinti und Roma in Menden

Ein Riss geht durch den Findling, der das Mahnmal bildet. Es ist an der heutigen Gesellschaft, Verbindungen wieder herzustellen. (Foto: Lambert/SMMP)

Am Montag, den 9. März 2026, wurde in Menden ein Mahnmal für die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgten und ermordeten Sinti und Roma eingeweiht. Der Gedenkort befindet sich auf dem Kirchplatz neben der St. Vincenz Kirche. Auch unsere Schulen waren bei dieser gefühlvollen Veranstaltung vertreten.
Das Datum der Einweihung wurde bewusst gewählt: Am 9. März 1943 wurden mindestens 18 Mendener Sinti aus fünf Familien nach Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie später ermordet wurden. Insgesamt fielen mindestens 46 Mendener Sinti der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer. Unter ihnen befanden sich viele Mütter mit ihren Kindern; sechs der Kinder und Babys gerieten in die Hände des KZ-Arztes Josef Mengele.

Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Wort-Gottes-Feier in der Kirche. Sie wurde von Pfarrer Jürgen Senkbeil gemeinsam mit Schülerinnen der Mendener Initiative augen auf! gestaltet. Im Anschluss wurde das Mahnmal auf dem Kirchplatz feierlich eingeweiht. Dabei waren die Kinder der Anne-Frank-Grundschule Menden erneut aktiv – immer wieder zeigen diese bei solchen Anlässen ihr Engagement für ein friedliches Miteinander. Der traurige Blick der Grundschulkinder und der Schülerinnen der Initiative augen auf! in die Vergangenheit wurde verbunden mit positiven Appellen für die Zukunft.

Zahlreiche Gäste aus Politik, Gesellschaft und Bildung nahmen an der Veranstaltung teil. Bürgermeisterin Manuela Schmidt begrüßte die Anwesenden und hob die Bedeutung dieses neuen Erinnerungsortes für die Stadt hervor. Als Vertreter der Landesregierung überbrachte Staatssekretär Bernd Schulte Grußworte. Auch Roman Franz, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma NRW, erinnerte in seinem Beitrag an das Schicksal der rund 500.000 von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Sinti und Roma in Europa. Er beendete die Veranstaltung mit den Worten seines Vaters: „Vergeben ja, vergessen niemals.“

Roman Franz, Pfarrer Jürgen Senkbeil, Bürgermeisterin Manuela Schmidt und Staatssekretär Bernd Schulte enthüllen das Mahnmal. (Foto: Lambert/SMMP)

Musikalisch wurde die Einweihung von den Musikern June Heilig (Violine) und Sergej Hartmann (Klavier) begleitet. Ihre Musik verlieh der Veranstaltung eine ganz besondere Atmosphäre.

Das Mahnmal selbst besteht aus einem großen Findling aus dem Steinbruch des Kalkwerks Hönnetal. Der Stein wurde bewusst in zwei Teile gebrochen, die nun eng nebeneinanderstehen. Zwischen ihnen bleibt ein schmaler Spalt – ein Symbol für Zerrissenheit und Verlust, zugleich aber auch für Verbindung und Erinnerung. Eine Inschrifttafel verbindet beide Steinblöcke miteinander. Über eine Stele mit QR-Code können Besucherinnen und Besucher weitere Informationen zur Geschichte der Mendener Sinti abrufen.

Die würdige Atmosphäre der abendlichen Gedenkfeier, die beeindruckenden Reden sowie die bewegende Musik machten deutlich, wie wichtig eine lebendige Erinnerungskultur ist.

Gerade für junge Menschen wurde an diesem Abend spürbar, dass das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht nur ein Blick in die Vergangenheit ist. Es ist zugleich ein Auftrag für die Gegenwart: sich für Menschenwürde, Respekt und ein friedliches Zusammenleben einzusetzen. Dies – und den Mut der Stadt Menden, offen mit den dunklen Seiten der eigenen Vergangenheit umzugehen – betonte auch Bernd Schulte, Staatssekretär und Amtschef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen.

Mit der Einweihung des Mahnmals erhält die Mendener Erinnerungslandschaft – im Jahr des 750-jährigen Stadtjubiläums – einen weiteren wichtigen Ort des Gedenkens. Der 9. März wird künftig ein Tag sein, an dem in Menden besonders an das Schicksal der Sinti und Roma erinnert wird.