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Großer Andrang beim „Tag der offenen Fenster“
Weitere Informationsveranstaltung am Freitag – dabei erstrahlen die Schulen über Menden in lilafarbenem Licht
„Oha, das sieht ja aus wie ein Schloss!“ Schon von Weitem erstrahlte das denkmalgeschützte Gebäude des Walburgisgymnasiums und der Walburgisrealschule am Mittwoch über Menden in lilafarbenem Licht. Anlass war der erste von zwei Informationsnachmittagen für Eltern von Viertklässlern, die ab kommendem Sommer für ihr Kind eine weiterführende Schule suchen. Große Gruppen in der Aula und in Klassenräumen wollte man vermeiden. Also hatten die Schulen nicht zu einem Tag der offenen Tür eingeladen – sondern zu einem Tag des offenen Fensters.
„Nachdem sich die pandemische Lage wieder so zugespitzt hat, wollten wir kein Risiko eingehen, die traditionellen Tage der offenen Tür aber nicht ausfallen lassen“, erklärt der Schulleiter des Walburgisgymnasiums, Dr. Ansgar Bornhoff. So sei die Idee entstanden, die interessierten Eltern nicht im Gebäude, sondern an den Fenstern zu empfangen. „Uns war klar, dass wir damit im Dezember wetterbedingt ein Risiko eingehen. Aber jeder kann sich warm anziehen. Und am Schluss kann man sich am Feuer und bei einer Bratwurst auf dem Schulhof wieder aufwärmen.“ Die außergewöhnliche Illumination der Fassaden trug dabei natürlich zur Attraktivität dieser Rundgänge bei.
Das Konzept ging auf. 84 Familien fanden sich am Mittwochnachmittag ab 15 Uhr zu 14 Führungen ein. Sie starteten in viertelstündigen Abständen. Jede Fachschaft besetzte ein Fenster. Aber auch die Schulseelsorge, die zahlreichen AGs und die Schülervertretung stellten sich auf diese Weise vor.
Zwölf Eltern starteten ihren einstündigen Rundgang mit Sport- und Pädagogiklehrerin Michaela Zimmerers um 16.30 Uhr. Gleichzeitig wurden die Kinder von Schülern der Ober- und Mittelstufe durch und um das Gebäude geführt.
Schulgottesdienste sind ein Erlebnis
Am ersten Haltepunkt stellt Johannes Wibbeke, Vorsitzender der Fachschaft Katholische Religion, das christliche Schulprofil vor. Dazu gehören neben religiösen Einkehr- und Orientierungstagen vor allem die regelmäßigen Gottesdienste. „Die Schülerinnen und Schüler gestalten diese Feiern für die Klassen und Stufen in der Schulkapelle mit. Wenn wir die mit der gesamten Schulgemeinschaft feiern, dann in der Walburgis-Kirche.“ Diese Gottesdienste in der mit fast 1000 Kindern, Jugendlichen, Lehrerinnen und Lehrern voll besetzten Kirche seien immer wieder ein außergewöhnliches Erlebnis.
Die Kinder kommen während ihrer Führung durch die Schulkapelle, wo sie die evangelische Schulseelsorgerin Birgit Fiedler empfängt. Auch sie berichtet begeistert von den Gottesdiensten und lässt die Kinder für Menschen, an die sie jetzt besonders denken, vor dem Altar eine Kerze anzünden.
Da stehen die Eltern bereits an einer Reihe vier nebeneinanderliegender Fenster des Altbaus. Sie öffnen sich wie die Törchen eines Adventskalenders. Hier stellen sich die Fachschaften für die Sprachen vor. „Wir wollen, dass die Kinder davon bei uns möglichst viel mitnehmen“, sagt Französischlehrer Timon Großerhode. In der Unter- und Mittelstufe werden Englisch, Französisch und Latein angeboten, in der Oberstufe des Gymnasiums außerdem Spanisch. Wie die Eltern erfahren, können die Schülerinnen und Schüler dabei besondere Sprachzertifikate erlangen und an Austauschprogrammen mit Partnerschulen teilnehmen. Ebenso gehen die Auslandsreisen der Oberstufenjahrgänge in die entsprechenden Länder.
Soulband und Roboter-AG
Besonderes Interesse finden darüber hinaus die zahlreichen Arbeitsgemeinschaften, die am Nachmittag stattfinden: vom Schulchor und der Soulband über die Gottesdienst-AG oder die Ausbildung zum Medienscout bis hin zur Schach- und Roboter-AG. Letztere wurde in der Lego League sogar schon mehrfach Weltmeister.
„Gibt es diese Angebote für die Realschüler genauso wie für die Gymnasiasten?“, fragt eine Mutter. Und Michaela Zimmerers betont: „Ja, diese AGs sind alle schulübergreifend. Das ist uns ganz wichtig. Ebenso, wie es hier keine bauliche Trennung gibt. Das macht die Übergänge zwischen den Schulen, wenn denn mal ein Kind von der Realschule ans Gymnasium wechselt oder umgekehrt, um so einfacher“. Vielen Eltern ist das ein wichtiges Argument für diese Schulen.
Trennungen gibt es eher da, wo man sie nicht erwartet. „Zum Beispiel beim Sportunterricht in der Mittelstufe nach Mädchen und Jungen. Das mag etwas altmodisch klingen. Aber gerade dann ist es interessant, eher geschlechtsuntypischen Sport anzubieten. Sind die Jungen unter sich, blühen sie zum Beispiel beim Tanzen richtig auf. Vor Mädchen machen sie das nicht“, weiß Michaela Zimmerers.
Die Kindergruppe kommt unterdessen gerade in der Sporthalle an, wo sie sich austoben darf: beim Ballwerfen oder beim Disc-Golf. Dabei muss eine Frisbee-Scheibe in einen Korb geworfen werden. Wie die Eltern hundert Meter von ihnen entfernt erfahren, wird im kommenden Sommer ein Disc-Golf-Parcours für Pausen auf dem weitläufigen Schulgelände eingerichtet.
Viel Zeit fürs Kennenlernen
Und schon geht’s zum nächsten Punkt. An einem Klassenraum-Fenster des Neubautrakts mit den naturwissenschaftlichen Räumen stellt Deutsch- und Philosophielehrerin Dorothea Spieker das Methodenkonzept vor: Das hilft den Schülerinnen und Schülern vor allem in ihrer Anfangszeit an der neuen Schule, ihre Hausaufgaben zu managen, die Tasche richtig zu packen oder sich immer wieder neu zu motivieren. Oft gebe auch die Schulsozialarbeiterin wichtige Unterstützung und Hilfe. „Und wir nehmen uns hier ganz viel Zeit fürs Kennenlernen: Erst einmal bei drei Klassenlehrertagen und ein paar Wochen später durch eine mehrtägige Kennenlernfahrt.“ Zudem gebe es Paten aus den zehnten Klassen, die den neuen Schülerinnen und Schülern helfen, sich zu orientieren.
In ähnlicher Weise begleiten Medienscouts jüngere Kinder und Jugendliche. Die angehende Abiturientin Anna Franziska Dyckmanns berichtet davon an „ihrem“ Fenster: „Wir lassen uns zu solchen Medienscouts ausbilden und klären die Klassen Fünf bis Neun über die Gefahren des Internets auf. Gemeinsam mit den Kindern erstellen wir Regeln für den Umgang mit WhatsApp oder Teams. Das ist an unserer Schule für alle die digitale Lernplattform“, erklärt die Schülerin aus der Q2. Michaela Zimmerers ergänzt, dass alle Schülerinnen und Schüler dafür individuelle Zugänge, eine eigene E-Mail-Adresse und das gesamte Office-Paket für ihre Endgeräte bekommen. Wer keins hat, kann ein Tablet an der Schule leihen.
Medienkompetenz spielt sowohl am Gymnasium als auch an der Realschule eine wichtige Rolle. Genauso wie die sogenannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik), weshalb die beiden Walburgisschulen als MINT-freundliche Schule ausgezeichnet sind.
Singen stärkt die Gemeinschaft
Und was noch eine ganz wichtige Rolle spielt, ist die Musik. So erläutert Lehrer Christian Becker gegen Ende des Rundgangs das Konzept der Vokalklasse. „Da haben die Fünftklässler direkt eine Stunde mehr Unterricht. Das klingt zunächst nicht besonders attraktiv. Ich aber sage: ‚Das ist eine Stunde mehr Spaß‘.“ Der Musiklehrer, der auch die Soulband der Schule leitet, betont: „Fast jedes Kind kann singen. Wenn es nicht singen kann, liegt es meist daran, dass es nicht zuhören kann. Etwa, weil es sich selbst nicht hört. Aber das kann man lernen.“ Deshalb verwundere es nicht, dass der Gesangsunterricht in der Vokalklasse die Klassengemeinschaft in besonderer Weise stärkt.
Auch die Kinder erfahren bei ihrem Rundgang von der Vokalklasse. Ihnen erklärt Musiklehrerin Sieglinde Diris das Konzept. Mit anderen Worten, aber nicht weniger begeistert. „Könnt Ihr Euch vorstellen, wie wir hier in der Kirche mit ganz vielen Menschen singen?“, fragt sie die Jungen und Mädchen. Und sie zeigt ihnen Fotos von den vergangenen Konzerten.
So kommen sowohl die Eltern als auch die Kinder nach ihrer jeweils einstündigen Führung mit vielen neuen Eindrücken wieder auf dem Schulhof an.
Lob von den Eltern
„Ich finde gut, dass sich die Schule eine neue Form der Tage der offenen Tür hat einfallen lassen – und dass sie nicht ausgefallen sind“, lobt Markus Trompetter, dessen Sohn im kommenden Sommer an eine weiterführende Schule wechselt. Markus Trompetter hatte selbst am Walburgisgymnasium Abitur gemacht und vieles wiedererkannt, gibt aber zu: „In solchem Licht habe ich die Schule auch noch nicht gesehen.“
Bei Bratwurst und Kinderpunsch verweilen viele Familien nach ihren Rundgängen längere Zeit auf dem Schulhof, was Marcus Köchling, Leiter der Walburgisrealschule, sehr schätzt: „Hier kommt man mit den Menschen eigentlich viel besser und zwangloser ins Gespräch als bei unseren üblichen Tagen der offenen Tür.“ Auch sein Kollege Dr. Ansgar Bornhoff resümiert: „Es gibt Elemente, die wir jetzt pandemiebedingt eingeführt haben, aber danach nicht unbedingt wieder abschaffen müssen.“
Beide Schulleiter finden es großartig, dass sich das gesamte Lehrerkollegium, die Mitarbeitenden der Schule und die Schülervertretung kurzfristig auf ein ganz neues Konzept geeinigt und dies umgesetzt haben. So strahlt das lilafarbene Licht an diesem Abend noch eine andere Botschaft über Menden aus: wie engagiert und kreativ diese Schulen sind.
Weitere Veranstaltung am Freitag
Am Freitag findet ein zweiter Informationsnachmittag als Tag des offenen Fensters statt. Dr. Ansgar Bornhoff würde dafür noch gerne werben – „doch dafür sind ebenfalls schon alle Plätze gebucht. Dann werden weitere 84 Familien kommen.“ Interessenten dürfen sich dennoch weiter melden. Dann öffnet die Schule im Januar vielleicht ein drittes Mal ihre Fenster.
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